Zum 15-jährigen Bestehen des Bundesfreiwilligendienstes (BFD) zieht die Deutsche Sportjugend (dsj) Bilanz und richtet einen klaren Appell an die Politik: Die Erfahrungen der vergangenen Jahre müssen bei den aktuellen Planungen für die Weiterentwicklung der Freiwilligendienste berücksichtigt werden.
Als der Bundesfreiwilligendienst am 1. Juli 2011 infolge der Aussetzung der Wehrpflicht eingeführt wurde, schloss er die Lücke, die der Wegfall des Zivildienstes hinterlassen hatte. Gleichzeitig ergänzte er die bereits etablierten Freiwilligendienste wie das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) und das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ). Auch im organisierten Sport eröffnete der BFD neue Möglichkeiten, sich freiwillig zu engagieren und Verantwortung in Vereinen, Jugendabteilungen und Verbänden zu übernehmen.
Heute engagieren sich bei den Trägern der Deutschen Sportjugend rund 2.000 Freiwillige im FSJ sowie knapp 1.000 Freiwillige im BFD. Sie unterstützen Sportvereine und -verbände in der Kinder- und Jugendarbeit, begleiten Trainings- und Bewegungsangebote, gestalten Bildungs- und Integrationsprojekte mit und leisten damit einen wichtigen Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Freiwilligendienste vor neuen Herausforderungen
15 Jahre nach Einführung des BFD stehen die Freiwilligendienste erneut vor grundlegenden Veränderungen. Hintergrund sind die aktuellen politischen Entwicklungen rund um den neuen Wehrdienst und die geplante Neuregelung eines Zivildienstes als Ersatzdienst. Aus Sicht der Deutschen Sportjugend darf dabei das freiwillige Engagement nicht durch pflichtgebundene Strukturen verdrängt werden.
Vielmehr müsse die besondere Stärke der Freiwilligendienste erhalten bleiben: Sie bieten jungen Menschen wertvolle Lern-, Bildungs- und Erfahrungsräume, fördern demokratische Werte und stärken die Bereitschaft, Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen.
Erfahrungen der Zivilgesellschaft nutzen
Die vergangenen 15 Jahre haben gezeigt, dass erfolgreiche Freiwilligendienste auf starken zivilgesellschaftlichen Strukturen basieren. Sportvereine, Jugendverbände und zahlreiche weitere Organisationen schaffen die Rahmenbedingungen, in denen freiwilliges Engagement wachsen kann. Diese Strukturen müssen nach Auffassung der dsj dauerhaft gestärkt und verlässlich finanziert werden.
Zudem spricht sich die Deutsche Sportjugend dafür aus,
- die Zivilgesellschaft aktiv in die Ausgestaltung neuer Dienstformate einzubeziehen,
- die Vielfalt der Einsatzfelder und Träger zu erhalten,
- die pädagogische Begleitung der Freiwilligen nachhaltig zu sichern sowie
- die Sichtbarkeit aller Freiwilligendienste durch gemeinsame Informationsangebote und ein zentrales Online-Portal weiter auszubauen.
Freiwilliges Engagement ist ein Gewinn für alle
Für die Sportjugend steht fest: Freiwilligendienste sind weit mehr als eine Unterstützung für Vereine und Einrichtungen. Sie fördern Persönlichkeitsentwicklung, gesellschaftliche Teilhabe und demokratisches Engagement. Davon profitieren die Freiwilligen selbst ebenso wie die Sportvereine und letztlich die gesamte Gesellschaft.
Deshalb appelliert die Deutsche Sportjugend an die politischen Entscheidungsträger*innen, die Erkenntnisse aus 15 Jahren Bundesfreiwilligendienst konsequent in die aktuellen Reformüberlegungen einzubeziehen und die Freiwilligendienste als eigenständigen und starken Pfeiler des gesellschaftlichen Engagements weiterzuentwickeln.


