Kein Handy in der Umkleide: Freiwilligendienstleistende für digitale Gewalt sensibilisiert

Kinderschutz im Sport bedeutet heute auch: digitale Risiken erkennen, Grenzen respektieren und Verantwortung übernehmen. Beim Einführungsseminar der Freiwilligendienstleistenden der Sportjugend Rheinland-Pfalz in Roes stand deshalb ein Thema im Mittelpunkt, das Kinder und Jugendliche zunehmend betrifft: digitale sexuelle Gewalt und der sichere Umgang mit Smartphones in der Schule und im Sport.

Als Referent war Joachim Türk, Vizepräsident des Kinderschutzbundes, zu Gast. Er sensibilisierte den neuen Jahrgang der Freiwilligendienstleistenden für die Gefahren, die digitale Medien für Kinder und Jugendliche mit sich bringen können und zeigte gleichzeitig auf, welche Rolle junge Menschen im Sport beim Schutz ihrer Mitmenschen übernehmen können.

Wo beginnt eine Grenzüberschreitung?

Zum Einstieg wurden verschiedene Situationen aus dem digitalen Alltag bewertet. Die Aufgabe: Einordnen, ob ein Verhalten unproblematisch, grenzwertig, eine klare Grenzüberschreitung oder bereits digitale sexuelle Gewalt ist.

Schnell wurde deutlich: Grenzen werden nicht von allen Menschen gleich wahrgenommen. Persönliche Erfahrungen und der jeweilige Zusammenhang spielen eine entscheidende Rolle. Gleichzeitig gibt es wichtige Orientierungspunkte. Digitale sexuelle Gewalt ist nicht allein eine Frage des Inhalts. Entscheidend sind unter anderem die Faktoren Einwilligung, Alter, Machtgefälle, Verbreitung und Kontext sowie die Auswirkungen auf die betroffene Person.

Auch die rechtliche Perspektive wurde betrachtet. Die Freiwilligendienstleistenden setzten sich damit auseinander, wann Handlungen rechtlich unproblematisch sind, wann es auf den konkreten Kontext ankommt und wann strafrechtliche Konsequenzen drohen können. Dabei wies Türk auf einen wichtigen Aspekt hin: Eine vermeintlich harmlose Handlung wird nicht dadurch legal, indem sie digital stattfindet. Auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz schafft keinen rechtsfreien Raum.

„Immer um Erlaubnis fragen“

Für den Alltag im Sport gab Türk den Freiwilligendienstleistenden deshalb klare Handlungsempfehlungen mit auf den Weg: Bei Fotos grundsätzlich um Erlaubnis fragen, Bilder und Videos nicht einfach weiterleiten und die Privatsphäre anderer respektieren.

Besonders sensibel sind Räume, in denen Kinder und Jugendliche ihre Privatsphäre benötigen, wie etwa Umkleiden, Duschen und Bäder. Smartphones sollten dort nichts zu suchen haben. Denn auch das eigene Verhalten hat Signalwirkung: Als FSJler*in oder BFDler*in ist man Vorbild für die Kinder und Jugendlichen und sollte daher mit gutem Beispiel vorangehen.

Cybergrooming: Wenn Täter*innen online Kontakt suchen

Ein weiterer Schwerpunkt des Seminars war „Cybergrooming„. Dabei versuchen Erwachsene, über digitale Medien gezielt Kontakt zu Kindern aufzubauen, Vertrauen zu gewinnen und sexuelle Kontakte anzubahnen.

Für die Freiwilligendienstleistenden war dabei besonders wichtig, mögliche Warnsignale zu kennen und zu wissen, wie sie reagieren können. Türk vermittelte einen klaren Handlungsweg: ruhig bleiben, nicht selbst ermitteln, bei akuter Gefahr sofort Hilfe holen und zuständige Personen informieren.

Die Botschaft dahinter: Niemand muss solche Situationen allein bewältigen. Freiwilligendienstleistende können Vertrauenspersonen und Zuhörer*innen sein, Verantwortung übernehmen und bei Bedarf eine Brücke zu den zuständigen Ansprechpersonen bauen.

Für die neuen Freiwilligendienstleistenden in Roes gab es damit nicht nur viel Wissen mit auf den Weg, sondern auch einen kreativen Auftrag, an dem sich nun bis Mitte Februar hoffentlich viele beteiligen werden.

Aus dem Seminar in die Sportvereine

Die Veranstaltung ist Teil eines gemeinsamen Projekts von Kinderschutzbund Rheinland-Pfalz, Landessportbund Rheinland-Pfalz und Sportjugend Rheinland-Pfalz. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche nachhaltig für die Risiken digitaler Gewalt und insbesondere für einen verantwortungsvollen Umgang mit Smartphones in sensiblen Bereichen des Sports zu sensibilisieren.

Dabei sind die Freiwilligendienstleistenden ein wichtiger Baustein: In der ersten Projektphase werden sie im Rahmen ihrer Einführungsseminare qualifiziert und mit praxisorientierten Materialien ausgestattet. So sollen sie das Thema anschließend als Multiplikator*innen in Sportvereine und Schulen tragen.

„Handy raus aus Duschen, Bädern und Umkleiden“

Eine zentrale Botschaft des gemeinsamen Projekts lautet: Handys haben in Duschen, Bädern und Umkleiden nichts zu suchen! Gerade dort können heimliche Foto- oder Videoaufnahmen entstehen und sich anschließend unkontrolliert verbreiten. Das Projekt soll deshalb für einen verantwortungsvollen Umgang mit Smartphones in diesen besonders geschützten Bereichen sensibilisieren.

Dabei können die Freiwilligendienstleistenden selbst aktiv werden: Bis Mitte Februar sollen sie sich mit ihren Sportvereinen und Schulen an einem Mal- und/oder Videowettbewerb zum Thema Handynutzung, Privatsphäre und digitale Risiken beteiligen. Die Beiträge sollen Kindern und Jugendlichen die Botschaft auf kreative und verständliche Weise vermitteln.

Die besten Ideen werden von einer fachlich besetzten Jury ausgewählt. Auf die Gewinner*innen wartet anschließend ein besonderer Preis: Gemeinsam mit einer Agentur dürfen sie ihre Ideen in einem Workshop weiterentwickeln und professionell umsetzen. Die daraus entstehenden Materialien und Beiträge sollen anschließend breit im Sport in Rheinland-Pfalz eingesetzt und im Rahmen der LSB-Kampagne zum Schutz vor Gewalt öffentlich sichtbar gemacht werden.